Hannelore Müller – 72, mit ihrem Kleinwagen


Ich bin Hannelore. Mein Job ist es, Oma zu sein. Ich wohne bei meinem Sohn Matthias und seiner Familie unten im Haus. Wir verstehen uns gut, aber die jungen Leute haben ja kaum Zeit. Alle sind in Hektik. In der Schule, auf der Arbeit und auch in der Freizeit haben sie immer etwas zu tun. Nicht, dass das bei mir anders wäre. Ich bemühe mich, zu helfen, wo ich kann. Und das macht mir auch Spaß. Gott sei Dank bin ich mit meinen 72 Jahren noch sehr fit und auch noch gut mit meinem kleinen Auto unterwegs. Obwohl ich zugeben muss, dass mir das immer schwerer fällt. Früher bin ich oft und sehr sicher gefahren, aber ich merke schon, dass ich älter werde.


Letzten Freitag zum Beispiel …

… Freitags ist in Berlin sowieso Ausnahmezustand. Viele haben früher Feierabend. Die Menschen wollen nach Hause und ins Wochenende. Keiner hat Zeit. Offensichtlich noch nicht einmal, um die Augen aufzumachen. Als ich mit meinem Twingo rückwärts aus der Ausfahrt fahren will, hupt mich plötzlich ein von rechts kommender PKW so heftig an, dass ich fast ohnmächtig geworden wäre.

 

Natürlich hatte er Vorfahrt. Und ja, ich gebe zu, ich kann mich schlecht umdrehen und bin auch immer öfter unsicher beim Ausparken. Aber ist das ein Grund, gleich so unhöflich zu werden?



info

 

Ältere Menschen verlieren in komplexen Situationen schneller den Überblick als Verkehrsteilnehmer der jüngeren Altersgruppen.
So waren bei den Senioren mit 65 oder mehr Jahren „Vorfahrtfehler“ die häufigste Unfallursache der 41807 beteiligten
Pkw-Fahrer an Personenschadensunfällen. Diese Ursache wurde 18,1 % der Unfallbeteiligten dieser Altersklasse vorgeworfen.


statistisch betrachtet …

… steht die tageszeitliche Verteilung der verunglückten Senioren in engem Zusammenhang mit der Verkehrsteilnahme und dem täglichen Lebensrhythmus der älteren Menschen sowie den Spitzenzeiten des Berufsverkehrs.

 

fussgaenger

Verunglückte Senioren im Alter von 65 und älter nach Uhrzeiten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2012


Was denkt Ihr darüber?

Diskutieren Sie mit Ihren Schülern:

Geht es Euch auch manchmal so, dass Ihr denkt, der oder die sollte vielleicht besser den Führerschein abgeben? Was sollten Eurer Meinung nach alt werdende Menschen tun, um ihre Fahrtüchtigkeit zu überprüfen? Meint Ihr, es reicht aus, seine eigenen Fähigkeiten zu beobachten? Habt Ihr vielleicht selbst ein älteres Familienmitglied, das noch Auto fährt? Was bedeutet das für alle anderen Verkehrsteilnehmer? Ist es o.k., die „Alten“ einfach zu verurteilen, oder kann man selbst etwas tun?